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Der Brauchtum
Gelebte Tradition
10
aktive Burschen
18 h
Dauer des Umzugs
50 kg
Erbsen & Linsen
> 100 Jahre
Tradition
Brauch & Ursprung der Strohberta
Die Tradition der Strohberta gehört zu den ältesten Winter- und Jahreswechselbräuchen im oberfränkischen Raum. Ihre Wurzeln reichen weit zurück in vorchristliche Zeiten, als man mit maskierten Gestalten, Lärm und symbolischen Handlungen den Winter vertreiben und das neue Jahr willkommen heißen wollte. Viele Elemente weisen auf einen heidnischen Heische- oder Bettelbrauch hin, verbunden mit dem Gedanken, durch den Besuch bei den Menschen Segen und Fruchtbarkeit für das kommende Jahr zu bringen.

Im Zentrum steht die mit Stroh umhüllte Hauptfigur – eine mächtige, imposante Gestalt, die Kraft, Erdverbundenheit und die Nähe zum bäuerlichen Leben symbolisiert. Begleitet wird sie traditionell von verschiedenen Figuren, die Glück, Schutz, Ordnung oder Fruchtbarkeit verkörpern. Durch ihre Rollen entsteht ein kleines „Welttheater“, das die Gemeinschaft im Dorf widerspiegelt.

Die Strohberta wird seit jeher von weiteren Charakteren begleitet, deren Handlungen und Zeichen fest im Brauchtum verankert sind. Das Christkind verteilt kleine Gaben als Sinnbild für Segen und Wohlwollen. Der Schlotfeger bringt Glück – wer ein wenig Ruß abbekommt, darf auf ein gutes neues Jahr hoffen. Die Dorfbewohner rupfen traditionell Stroh aus dem Gewand der Strohberta, da dieses im Geldbeutel Glück und Wohlstand verheißen soll.

Auch Figuren wie Treiber, Männla und Fraala, Polizisten oder Sackträger übernehmen symbolische Aufgaben, die sich aus der Geschichte des ländlichen Lebens erklären. Sie repräsentieren Ordnung, Arbeit, Fruchtbarkeit und das gemeinsame Tragen von Lasten. Diese Rollen haben sich über die Jahrhunderte verändert und teilweise neu entwickelt, doch ihre Bedeutung bleibt eng mit der Gemeinschaft verbunden.
Bedeutung des Brauchs für Trebgast
Die Strohberta wird in Trebgast seit Jahrhunderten gepflegt und ist tief im kulturellen Gedächtnis des Ortes verwurzelt. Zwar existieren schriftliche Belege erst seit rund 90 Jahren, doch die Wurzeln reichen deutlich weiter zurück: Schon im 16. Jahrhundert sind in Mitteleuropa Strohbären, Strohfrauen und andere verkleidete Gestalten belegt, die in der dunklen Jahreszeit zwischen Aberglauben, Fruchtbarkeitsriten und Jahreswechselbräuchen durch die Dörfer zogen. Die Trebgaster Strohberta steht damit in einer langen Reihe vorchristlicher Winterbräuche – doch ihre heutige Form, am 24. Dezember, ist einzigartig und wird ausschließlich in Trebgast fortgeführt.

Recherchen des Bayerischen Rundfunks bestätigen, dass der Brauch in Oberfranken nur noch hier besteht. In den umliegenden Orten – etwa Neuenmarkt, Harsdorf oder Ködnitz – wurde die Tradition während der NS-Zeit untersagt und später nicht wieder aufgenommen. Dadurch besitzt Trebgast heute eine kulturelle Besonderheit, die weit über die Region hinausreicht: In dieser Ganzheitlichkeit ist der Brauch vermutlich einmalig in ganz Bayern und möglicherweise sogar deutschlandweit.

Ein lebendiger Schatz der Dorfgeschichte

Die Strohberta ist mehr als ein Winterbrauch – sie ist ein identitätsstiftendes Element der Dorfgemeinschaft. Seit mindestens dem 19. Jahrhundert zieht am Heiligabend die zehnköpfige Gruppe durch den Ort, wünscht „frohe Weihnacht“ und „ein gesundes neues Jahr“ und sammelt Spenden für gemeinnützige Zwecke. Dass die Figur der Strohberta ursprünglich das alte Jahr symbolisiert, das vom Treiber „hinausgetrieben“ wird, zeigt den heidnischen Ursprung des Brauchs. Dennoch ist seine feste Verankerung am 24. Dezember ein charakteristisches Merkmal der Trebgaster Tradition und verweist auf Entstehungszeiten vor Einführung des heutigen Kalendersystems.

Viele Trebgaster erinnern sich an die Strohberta aus ihrer Kindheit – erst als Furcht einflößende Erscheinung, später als stolzes Erbe des Dorfes. Der Übergang vom Zuschauer zum Mitwirkenden stärkt die Bindung an die eigene Heimat: Seit jeher besteht die Gruppe aus zehn unverheirateten jungen Männern des Ortes, die die wichtigsten Figuren einer historischen Dorfgemeinschaft verkörpern – vom Christkind über den Schlotfeger bis hin zur schwersten Rolle, der Strohberta selbst, deren Strohgewand rund 40 Pfund wiegt.

Gemeinschaft, Begegnung und gelebte Tradition

Der Besuch der Strohberta schafft Begegnungen, die im Alltag oft fehlen. Die Gruppe zieht durch alle Straßen, besucht jedes Haus und bringt Segen, Freude und Gemeinschaft in die Familien. Für ältere Einwohner ist der Besuch ein emotionaler Moment, für Kinder eine Mischung aus Spannung und Faszination. Und für die jungen Männer, die Wochen an Vorbereitung und einen ganzen Tag voller körperlicher Anstrengung auf sich nehmen, entsteht ein Erlebnis, das sie als Gruppe prägt.

So bleibt die Strohberta für Trebgast nicht nur ein überliefertes Relikt, sondern ein lebendiger Ausdruck von Zusammenhalt, Identität und kulturellem Stolz. Der Heiligabend wird hier nicht nur als stiller Feiertag begangen, sondern als Tag, an dem das Dorf seine Geschichte fortschreibt – gemeinsam, bewusst und mit Freude an einer Tradition, die ihre Bedeutung weit über die Gegenwart hinaus trägt.
Bedeutung der Figuren

Strohberta

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Die zentrale Figur der Tradition. Komplett in Strohbänder eingewickelt, symbolisiert sie das alte Jahr, das vom Treiber hinausgetrieben wird. Mit ihrem strohernen Schwanz, der Bienenkorb-artigen Kappe und dem Gurt mit hell klingenden Ochsenrollen ist sie die mächtigste und auffälligste Gestalt der Gruppe. Sie steht für das Vergehen des Vergangenen und den Übergang ins Neue.

Christkindla

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Das Christkindla symbolisiert das neue Jahr. Es steht für Fruchtbarkeit, Lebensfreude und Neubeginn. Traditionell verteilt die Figur Erbsen – ursprünglich ein Symbol für Ernte und Fruchtbarkeit, heute ein Zeichen für Glück und Freude. Das Christkindla ist eine der wenigen Figuren, deren Gesicht sichtbar bleibt, was die Nähe zu den Menschen und den festlichen Charakter unterstreicht.

Schlotfeger

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Der Schlotfeger gilt als Glücksbringer. Er symbolisiert das Erwecken von neuem Leben und das Herbeiführen von Segen für das kommende Jahr. Ursprünglich kratzte er mit dem Schultereisen an Türen, heute gilt das Ruß-Schwärzen weiterhin als Zeichen des Glücks. Die Figur ist eng mit der Idee verbunden, die Dorfgemeinschaft zu schützen und das neue Jahr positiv einzuleiten.

Treiber

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Der Treiber ist dafür zuständig, das alte Jahr zu vertreiben. Als Symbolfigur sorgt er für Ordnung innerhalb der Gruppe und führt die Strohberta durch das Dorf. In der traditionellen Deutung ist der Treiber eine Art Wächter, der die Übergangsrituale zwischen dem alten und dem neuen Jahr steuert.

Männla und Fraala

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Diese beiden Figuren stehen für Fruchtbarkeit und bäuerliche Lebensweise. Der Mann mit dem Stecken und die Frau mit dem Korb symbolisieren die Sicherung der Nahrung und des Lebensunterhalts. Sie verkörpern die Kontinuität und den Fortbestand der Gemeinschaft und der Lebensgrundlagen.

Polizisten

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Die Polizisten repräsentieren die Ordnungsmacht innerhalb der Dorfgemeinschaft. Historisch dienten sie dazu, dass die Einnahmen und Gaben der Bevölkerung korrekt erfasst wurden (ehemals Steuereinzieher). Heute stehen sie symbolisch für Struktur und geregelten Ablauf – essenziell für das Zusammenspiel der Figuren und die Stabilität der Dorfgemeinschaft.

Sackträger

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Die Sackträger übernehmen die Rolle der Überbringer der Ernte. Sie tragen symbolisch die Gaben, Früchte oder Getreideabgaben des vergangenen Jahres und sichern damit die Weitergabe des Wohlstands ins neue Jahr. Sie stehen für Fleiß, Gemeinschaftssinn und die Sicherung der Lebensgrundlagen.
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